Zwei Arten, falsch zu liegen
Ein Test entscheidet: verwerfen oder beibehalten. Ob in Wirklichkeit stimmt, weiß er nicht. Deshalb gibt es vier Fälle. Zwei davon sind Fehler.
| stimmt in Wirklichkeit | stimmt nicht | |
|---|---|---|
| verworfen | stimmt in WirklichkeitFehler 1. Art – ein falscher Alarm. Wahrscheinlichkeit | stimmt nichtrichtig. Wahrscheinlichkeit (Teststärke) |
| beibehalten | stimmt in Wirklichkeitrichtig. Wahrscheinlichkeit | stimmt nichtFehler 2. Art – ein Effekt übersehen. Wahrscheinlichkeit |
Ein Rauchmelder macht dieselben zwei Fehler. Er piept, obwohl nur Toast angebrannt ist: Fehler 1. Art. Oder er bleibt still, obwohl es brennt: Fehler 2. Art.
Ein Test zeigt einen Effekt eines Medikaments, aber in Wirklichkeit wirkt es nicht. Welcher Fehler ist das?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
Fehler 1. Art. („wirkt nicht“) stimmt, der Test hat sie trotzdem verworfen – ein falscher Alarm.
Fehler 1. Art: der falsche Alarm
Stell dir vor, stimmt: Licht hat keinen Einfluss auf die Sauerstoffbildung. Du wiederholst den Versuch sehr oft. Die Prüfgröße fällt dann meist nahe 0. Aber manchmal landet sie zufällig im Ablehnungsbereich. Dann verwirfst du zu Unrecht.
Wie oft passiert das? Genau so oft, wie der Ablehnungsbereich groß ist: mit der Wahrscheinlichkeit .

Der senkrechte Strich heißt „unter der Bedingung“: ist die Wahrscheinlichkeit, zu verwerfen, wenn stimmt.
Im Beispiel heißt das: Du schließt auf einen positiven Zusammenhang zwischen Lichtstärke und Sauerstoffbildung der Wasserpest. In Wirklichkeit gibt es ihn nicht.
Bei testest du 100-mal, und jedes Mal stimmt . Wie viele falsche Alarme erwartest du?
Tipp eine Zahl ein. Dann prüfen.
. Jeder Test schlägt mit 5 % Wahrscheinlichkeit falschen Alarm, also etwa 5 von 100.
Fehler 2. Art: der übersehene Effekt
Jetzt stimmt nicht: Mehr Licht führt wirklich zu mehr Sauerstoff. Dann ist die Prüfgröße nach einer anderen Glocke verteilt, die weiter rechts liegt. Fällt sie trotzdem vor die Grenze, behältst du bei. Der Effekt wird übersehen.
Die Wahrscheinlichkeit dafür heißt (beta). Die Gegenwahrscheinlichkeit heißt Teststärke oder Power: Wie sicher findet der Test einen Effekt, den es gibt?

Im Beispiel heißt das: Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Lichtstärke und Sauerstoffbildung. Dein Test findet ihn aber nicht.
α kleiner heißt β größer
Warum nicht einfach nehmen? Dann gäbe es kaum falsche Alarme. Aber die Grenze rückt nach rechts. Mehr von der rechten Glocke liegt dann vor der Grenze. Der Test übersieht echte Effekte öfter.

Du senkst von 0,05 auf 0,01. Was passiert mit , wenn sonst alles gleich bleibt?
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wird größer. Die Grenze rückt nach außen, also fallen mehr Ergebnisse unter in den Bereich „beibehalten“.
Mehr Daten, weniger übersehen
Es gibt einen Weg, beide Fehler klein zu halten: mehr Daten. Mit mehr Pflanzen schätzt du den Effekt genauer. Beide Glocken werden schmaler und überlappen weniger. bleibt, wie du es festlegst, aber sinkt.

Die Breite der Glocken ist der Standardfehler . Viermal so viele Daten halbieren ihn. Deshalb haben kleine Versuche oft eine geringe Teststärke: Ein echter Effekt geht leicht unter.
Ein Versuch mit 6 Pflanzen ergibt . Welcher Fehler könnte passiert sein?
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Fehler 2. Art. wurde beibehalten. Falls es den Effekt doch gibt, wurde er übersehen – bei nur 6 Pflanzen ist das gut möglich.
Bei Tests auf Normalverteilung
Der Shapiro-Wilk-Test und der Kolmogorow-Smirnow-Test (KS-Test) prüfen, ob Daten normalverteilt sind. Hier ist die Nullhypothese das, was man sich meist wünscht:
- : Die Körpergröße ist normalverteilt.
- : Die Körpergröße ist nicht normalverteilt.
Damit drehen sich die Fehler in der Bedeutung um:
| Fehler | bedeutet hier | wann wahrscheinlich |
|---|---|---|
| Fehler1. Art | bedeutet hierDer Test sagt „nicht normalverteilt“, obwohl die Körpergröße normalverteilt ist. | wann wahrscheinlichmit Wahrscheinlichkeit , egal wie viele Daten |
| Fehler2. Art | bedeutet hierDer Test sagt nichts (), obwohl die Körpergröße nicht normalverteilt ist. | wann wahrscheinlichvor allem bei wenigen Daten – kleine Abweichungen bleiben unentdeckt |
Der KS-Test hat dabei eine geringere Teststärke als der Shapiro-Wilk-Test. Er übersieht Abweichungen eher, macht also öfter einen Fehler 2. Art. Mehr dazu auf der Seite zu den Tests auf Normalverteilung.
Der Shapiro-Wilk-Test ergibt für 12 Körpergrößen . Die Körpergrößen sind in Wirklichkeit schief verteilt. Welcher Fehler ist das?
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Fehler 2. Art. („normalverteilt“) ist falsch, wurde aber beibehalten. Mit nur 12 Werten passiert das leicht.
So schreibst du es auf
Beschreibe beide Fehler im Beispiel. Nenne, was der Test entschieden hat, und was in Wirklichkeit gilt.
- Fehler 1. Art
Wir schließen, dass mehr Licht mit mehr Sauerstoffbildung der Wasserpest einhergeht. In Wirklichkeit gibt es keinen positiven Zusammenhang zwischen Lichtstärke und Sauerstoffbildung.
- Fehler 2. Art
Wir finden keinen signifikanten Zusammenhang und behalten bei. In Wirklichkeit bildet die Wasserpest bei mehr Licht doch mehr Sauerstoff.
- Welcher kann hier passiert sein?
Wurde verworfen (), ist nur ein Fehler 1. Art möglich. Wurde beibehalten, nur ein Fehler 2. Art.
Ein Test ergibt bei . Welcher Fehler ist jetzt noch möglich?
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Nur ein Fehler 1. Art. wurde verworfen. Ein Fehler 2. Art setzt voraus, dass beibehalten wurde.