Erst die Vermutung, dann ihr Gegenteil
Du vermutest: Je mehr Licht die Wasserpest bekommt, desto mehr Sauerstoff bildet sie. Das ist deine Alternativhypothese (auch ). Sie beschreibt den Effekt, den du zeigen willst.
Der Test braucht dazu ein Gegenstück: die Nullhypothese . Sie sagt, dass es den Effekt nicht gibt. Der Test prüft immer – nicht deine Vermutung direkt.

Für eine Vermutung mit Richtung („je mehr, desto mehr“) schreibst du:
- : Zwischen Lichtstärke und Sauerstoffbildung gibt es keinen positiven Zusammenhang.
- : Zwischen Lichtstärke und Sauerstoffbildung gibt es einen positiven Zusammenhang. Mehr Licht geht mit mehr Sauerstoff einher.
Mit dem Korrelationskoeffizienten (rho) der Grundgesamtheit sieht das so aus:
Du vermutest: Dünger lässt Bohnen höher wachsen. Welche Hypothese ist ?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
„Gedüngte Bohnen wachsen nicht höher als ungedüngte.“ ist das Gegenteil deiner Vermutung: kein Effekt des Düngers.
Der Test tut so, als stimme H₀
Der Test geht so vor. Er nimmt an, dass stimmt. Dann fragt er: Wie wahrscheinlich wären Daten wie meine?
Aus den Daten rechnet er eine Zahl aus, die Prüfgröße (auch Teststatistik). Wenn stimmt, liegt sie meist nahe 0. Wie sie dann verteilt ist, nennt man die Nullverteilung. Oft ist das eine Normalverteilung oder eine t-Verteilung.

Liegt die Prüfgröße mitten in der Glocke, passen die Daten gut zu . Liegt sie weit draußen im Rand, wären solche Daten unter sehr selten. Dann zweifelst du an .
Der p-Wert: Wie überraschend sind die Daten?
Der p-Wert misst, wie weit draußen die Prüfgröße liegt. Er ist die Fläche der Nullverteilung ab der Prüfgröße nach außen.
In Worten: Der p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, so ein Ergebnis oder ein noch extremeres zu bekommen – wenn stimmt. Ein kleiner p-Wert heißt: Unter wären diese Daten sehr überraschend.

Das ist dieselbe Rechnung wie „mehr als“ bei der Normalverteilung: . Bei ist .
Ein Test ergibt . Was heißt das?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
Wenn stimmt, bekommt man Daten wie diese oder noch extremere nur in 2 % der Fälle. Der p-Wert ist keine Wahrscheinlichkeit für .
α: die Grenze legst du vorher fest
Wie klein muss sein, damit du verwirfst? Diese Grenze heißt Signifikanzniveau (alpha). In der Biologie ist meist . Du legst fest, bevor du die Daten anschaust.

Der schraffierte Rand heißt Ablehnungsbereich. Fällt die Prüfgröße hinein, ist . Beides sagt dasselbe.
Ein Test ergibt , du hast festgelegt. Was folgt?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
, also wird beibehalten. Das Ergebnis ist nicht signifikant. Bewiesen ist damit nicht.
Derselbe p-Wert . Bei welchem ist das Ergebnis nicht signifikant?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
Bei . Dann ist . Ein strengeres verlangt kleinere p-Werte.
Einseitig oder zweiseitig
Hat deine Vermutung eine Richtung („mehr Licht, mehr Sauerstoff“), testest du einseitig. Der ganze Ablehnungsbereich liegt dann auf einer Seite.
Vermutest du nur, dass es irgendeinen Unterschied gibt („Licht ändert die Sauerstoffbildung“), testest du zweiseitig. Dann teilt sich auf beide Ränder auf: je 2,5 %.

| kritischer Wert bei | Hypothesen | |
|---|---|---|
| einseitig | kritischer Wert bei | Hypothesen, |
| zweiseitig | kritischer Wert bei | Hypothesen, |
Bei ist der einseitige p-Wert . Wie groß ist der zweiseitige?
Tipp deine Antwort ein, zum Beispiel 0,25. Dann prüfen.
. Zweiseitig zählen beide Ränder: .
Was der p-Wert nicht sagt
Um den p-Wert ranken sich viele Missverständnisse. Diese vier Sätze sind falsch:
- „ heißt: stimmt mit 3 % Wahrscheinlichkeit.“ – Der p-Wert setzt voraus, dass stimmt. Er kann nicht zugleich sagen, wie wahrscheinlich ist.
- „Ein kleiner p-Wert heißt: ein großer Effekt.“ – Mit sehr vielen Daten wird auch ein winziger Effekt signifikant.
- „Nicht signifikant heißt: Es gibt keinen Effekt.“ – Vielleicht waren nur zu wenige Daten da.
- „Signifikant heißt: Licht ist die Ursache.“ – Ein Test zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Mehr dazu auf der Seite Korrelation und Kausalität.

Welcher Satz stimmt?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
Ein kleiner p-Wert spricht gegen . Wie groß der Effekt ist, steht woanders, etwa im Korrelationskoeffizienten oder im Unterschied der Mittelwerte.
So schreibst du das Ergebnis auf
Eine gute Antwort hat drei Teile. Sie vergleicht mit . Sie sagt, was mit passiert. Und sie übersetzt das in das biologische Beispiel – mit den echten Begriffen, nicht nur mit „X“ und „Y“.
- Vergleichen
ist kleiner als .
- Entscheiden
Wir verwerfen die Nullhypothese. Das Ergebnis ist signifikant.
- Übersetzen
Die Daten sprechen für einen positiven Zusammenhang zwischen der Lichtstärke und der Sauerstoffbildung der Wasserpest. Bei mehr Licht wurde mehr Sauerstoff gebildet.
Und wenn ist, zum Beispiel : „ ist größer als . Wir behalten bei. Die Daten zeigen keinen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen Lichtstärke und Sauerstoffbildung. Ausgeschlossen ist ein Zusammenhang damit nicht.“
Bohnen-Versuch: , . Welcher Satz ist die beste Antwort?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
wird beibehalten. Die Daten zeigen nicht signifikant, dass gedüngte Bohnen höher wachsen. „Keine Wirkung“ wäre zu stark: Nicht signifikant heißt nicht „kein Effekt“.
In R
R gibt bei jedem Test die Prüfgröße und den p-Wert aus. Bei cor.test stellst du mit alternative ein, ob einseitig oder zweiseitig getestet wird.
licht <- c(10, 20, 30, 40, 50, 60, 70, 80) # Lichtstärke in klx
sauerstoff <- c(1.2, 1.9, 1.7, 2.8, 3.1, 3.0, 4.2, 4.0) # mg O2 pro Stunde
cor.test(licht, sauerstoff, alternative = "greater") # einseitig: H_A: rho > 0
cor.test(licht, sauerstoff) # zweiseitig: H_A: rho ≠ 0
1 - pnorm(2) # einseitiger p-Wert zu z = 2: 0.023
2 * (1 - pnorm(2)) # zweiseitiger p-Wert zu z = 2: 0.046In der Ausgabe stehen t (die Prüfgröße), df (Freiheitsgrade), p-value und die geschätzte Korrelation cor. Gib alle vier an, wenn ein Ergebnis „vollständig“ angegeben werden soll.