Ein einzelner Wert hat die Wahrscheinlichkeit null
Miss die Körpergröße von 1000 Studierenden. Zeichne ein Histogramm: Jede Säule zählt, wie viele in eine Klasse fallen, zum Beispiel 165 bis 170 cm.
Mach die Klassen schmaler. Die Säulen werden feiner. Am Ende bleibt eine glatte Kurve übrig. Diese Kurve heißt Wahrscheinlichkeitsdichte , kurz Dichte.

Die Körpergröße ist ein stetiges Merkmal: Zwischen 170 und 171 cm liegen unendlich viele Werte. Deshalb hat ein einzelner Wert die Wahrscheinlichkeit null. Genau 170,000… cm ist niemand.
Eine Wahrscheinlichkeit gibt es nur für einen Bereich. Sie ist die Fläche unter der Dichte über diesem Bereich.
Die Dichte der Körpergröße hat bei 170 cm die Höhe . Was bedeutet das?
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Um 170 cm liegen die Werte am dichtesten. ist eine Höhe, keine Wahrscheinlichkeit. Genau 170 cm hat die Wahrscheinlichkeit null.
Was eine Dichte erfüllen muss
Jede Dichte hat zwei Eigenschaften. Sie ist nie negativ. Und die ganze Fläche unter ihr ist genau 1, also 100 %. Denn irgendeine Größe hat jeder.
Die Höhe hat eine Einheit: „pro cm“. Sie kann sogar größer als 1 sein. Das passiert, wenn alle Werte sehr eng beieinander liegen. Nur die Fläche muss 1 sein.

Welche Zahl ist die Fläche unter jeder Dichte?
Tipp eine Zahl ein. Dann prüfen.
. Die ganze Fläche steht für alle möglichen Werte zusammen, also für 100 %.
Die Verteilungsfunktion sammelt Fläche
Oft fragt man: Wie wahrscheinlich ist ein Wert höchstens ? Das ist die ganze Fläche links von . Diese Fläche hat einen eigenen Namen: die Verteilungsfunktion . In R und auf Übungsblättern heißt sie auch kumulative Wahrscheinlichkeit.
Schieb von links nach rechts. Links kommt Fläche dazu, also steigt . Wo die Dichte hoch ist, kommt viel Fläche dazu: Dort ist steil. An den Rändern ist die Dichte fast null: Dort ist flach.

Bei der Körpergröße ist . Was bedeutet das?
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84 % sind höchstens 180 cm groß. ist immer die Fläche links von , also „kleiner oder gleich“.
Höchstens, mehr als, zwischen
Mit kannst du jede Wahrscheinlichkeit ausrechnen. Du brauchst nur drei Regeln.
- Höchstens : direkt ablesen.
- Mehr als : die Fläche rechts. Das ist alles (1) minus die Fläche links.
- Zwischen und : die Fläche bis minus die Fläche bis .

Bei stetigen Merkmalen ist es egal, ob „<“ oder „≤“ dasteht. Der Rand hat die Wahrscheinlichkeit null und ändert die Fläche nicht.
Körpergröße: und . Wie groß ist ?
Tipp deine Antwort ein, zum Beispiel 0,25. Dann prüfen.
. Rechnung: .
Wie groß ist , wenn ist?
Tipp deine Antwort ein, zum Beispiel 0,25. Dann prüfen.
. „Mehr als“ ist die Fläche rechts: .
So liest du aus einer Grafik ab
Auf Übungsblättern steht oft die Dichte neben der Verteilungsfunktion. Die Dichte zeigt dir, welche Fläche gemeint ist. Abgelesen wird an der Verteilungsfunktion.
- Senkrecht hoch
Geh beim Wert auf der x-Achse senkrecht nach oben, bis du die Kurve von triffst.
- Waagerecht nach links
Geh von dort waagerecht zur y-Achse. Dort steht .
- Rechenregel anwenden
Für „mehr als“ rechnest du , für „zwischen“ .

Umgekehrt geht es auch. Gegeben ist eine Wahrscheinlichkeit , gesucht der Wert. Dann gehst du von auf der y-Achse nach rechts zur Kurve und senkrecht hinunter. Den Wert, den du so findest, nennt man Quantil . Zum Beispiel: 90 % sind höchstens cm groß.
Du liest an der Verteilungsfunktion bei 160 cm den Wert 0,16 ab. Welche Wahrscheinlichkeit ist das?
Wähle eine Antwort. Dann prüfen.
. An der Verteilungsfunktion liest du immer die Fläche links ab.
Warum die Kurve gegen 1 geht
ist die Fläche links von . Je weiter du nach rechts gehst, desto mehr Fläche liegt links. Rechts von bleibt immer weniger übrig.
Die ganze Fläche ist 1. Also nähert sich der 1. Ganz große Werte sind sehr selten: Fast alle sind kleiner als 2 m. Deshalb liegt bei 200 cm fast die ganze Fläche links.

Die Normalverteilung ist überall ein bisschen größer als null. Darum erreicht die 1 nie ganz. Bei , hier 200 cm, ist schon fast .
Kann die Verteilungsfunktion an einer Stelle den Wert 1,2 haben?
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Nein. ist eine Wahrscheinlichkeit, nämlich eine Fläche von höchstens 1. Die Dichte darf größer als 1 sein, nie.
Die Normalverteilung und ihre zwei Zahlen
Viele Messgrößen in der Biologie sind ungefähr normalverteilt: Körperlänge, Flügellänge, Blutdruck. Die Dichte ist eine Glocke. Sie ist symmetrisch um ihren Mittelwert. Man schreibt .
- (mü) ist der Mittelwert. Dort ist der Gipfel. Mittelwert und Median sind gleich.
- (sigma) ist die Standardabweichung. Sie sagt, wie breit die Glocke ist.
- Die Höhe des Gipfels ist . Bei also etwa .
- Bei und wechselt die Glocke ihre Krümmung (Wendepunkte).
Für jede Normalverteilung gilt dieselbe Faustregel. Sie heißt 68-95-99,7-Regel.

| Bereich | Anteil | im Beispiel |
|---|---|---|
| Bereich | Anteiletwa 68 % | im Beispiel160 bis 180 cm |
| Bereich | Anteiletwa 95 % | im Beispiel150 bis 190 cm |
| Bereich | Anteiletwa 99,7 % | im Beispiel140 bis 200 cm |
Weil die Glocke symmetrisch ist, liegen außerhalb von links und rechts je etwa 16 %. Daraus folgen drei Werte der Verteilungsfunktion, die du dir merken solltest:
Eine Verteilungsfunktion hat bei 40 mm den Wert 0,16, bei 50 mm 0,5 und bei 60 mm 0,84. Wie groß ist ?
Tipp eine Zahl ein. Dann prüfen.
mm. liegt bei mm, bei mm. Also ist mm.
Der z-Wert: alles auf eine Glocke
Jede Normalverteilung lässt sich auf eine einzige zurückführen: die Standardnormalverteilung mit und . Dafür rechnest du den z-Wert aus. Er sagt, wie viele Standardabweichungen ein Wert vom Mittelwert weg ist.

Die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung heißt (Phi). Für sie gibt es Tabellen. Damit gilt für jede Normalverteilung:
| wofür | ||
|---|---|---|
| 0 | 0,5000 | wofürMedian |
| 1 | 0,8413 | wofüreine Standardabweichung über |
| 1,282 | 0,9000 | wofür90-%-Quantil |
| 1,645 | 0,9500 | wofüreinseitiger Test, |
| 1,960 | 0,9750 | wofürzweiseitiger Test, |
| 2 | 0,9772 | wofürzwei Standardabweichungen |
| 2,576 | 0,9950 | wofürzweiseitiger Test, |
| 3 | 0,9987 | wofürdrei Standardabweichungen |
Beispiel: Wie viele sind höchstens 185 cm groß? . In der Tabelle steht . Also sind es etwa 93 %.
Welchen z-Wert hat eine Körpergröße von 155 cm (μ = 170 cm, σ = 10 cm)?
Tipp eine Zahl ein, zum Beispiel −0,5. Dann prüfen.
. Rechnung: . Der Wert liegt 1,5 Standardabweichungen unter dem Mittelwert.
Probier es selbst aus
Stell , und die Grenzen ein. Links siehst du die Fläche, rechts dieselbe Wahrscheinlichkeit als Höhe. Darunter steht die Rechnung.
In R
R hat für jede Verteilung vier Befehle. Der Anfangsbuchstabe sagt, was du bekommst: d die Dichte, p die Verteilungsfunktion, q das Quantil, r Zufallszahlen. R will die Standardabweichung (sd), nicht die Varianz.
dnorm(170, mean = 170, sd = 10) # f(170) = 0.0399, Höhe der Dichte
pnorm(180, mean = 170, sd = 10) # F(180) = P(X ≤ 180) = 0.841
pnorm(180, 170, 10) - pnorm(160, 170, 10) # P(160 < X ≤ 180) = 0.683
pnorm(180, 170, 10, lower.tail = FALSE) # P(X > 180) = 0.159
qnorm(0.9, mean = 170, sd = 10) # 90-%-Quantil = 182.8
x <- rnorm(100, mean = 170, sd = 10) # 100 zufällige Körpergrößen
curve(dnorm(x, 170, 10), from = 130, to = 210) # Dichte zeichnen
curve(pnorm(x, 170, 10), from = 130, to = 210) # Verteilungsfunktion zeichnen